Strassen- und Verkehrslärm

Straßenverkehr, AutosSchlaglöcher zwecks Verkehrsberuhigung (April 2009): Die britische Gemeinde Navestock bei London meldet Schlaglöcher nicht mehr zwecks Reparatur an die zuständige Grafschaft Essex. Angeblicher Sinn der Maßnahme ist eine erzwungene Geschwindigkeitsreduzierung der passierenden Autos, um die Unfallzahlen zu reduzieren. Dem Einspruch der Grafschaft sieht die Gemeinde gelassen entgegen: Strassenreparaturen würden ohnehin nicht zügig durchgeführt.

Hierzulande reduzieren Kölner Teller und Schwellen die Geschwindigkeit des rollenden Verkehrs, Anwohner beschweren sich jedoch über den Lärm, den diese impulsartig wirkenden Hindernisse auf das Fahrzeug ausüben.

 

 

Herstellerfoto: Toyota Prius IIIEin Lärmproblem der anderen Art geht Toyota mit dem Hybridauto Prius III an: Unter 25 km/h treibt ausschliesslich der fast lautlose Elektroantrieb das Fahrzeug an, was z.B. bei Sehbehinderten zu Irritationen und Unfällen führen könnte. Ein akustischer zuschaltbarer Signalgeber erzeugt ein synthetisches Motorgeräusch, das mit steigender Geschwindigkeit bis auf 55 dB ansteigt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h überragt das Abrollgeräusch der Reifen die anderen akustischen Quellen des Fahrzeuges, dann wird der Signalgeber abgeschaltet. Der Signalgeber ist in Japan als Zubehör ab September 2010 erhältlich. Die Verfügbarkeit in Ländern hängt von der jeweiligen gesetzlichen Situation ab, die sich soeben (Dez. 2010) in den USA zugunsten eines solchen Systems ändert: Im “Pedestrian Safety Enhancement Act of 2010" regelt der amerikanische Kongress als Gesetzgeber, dass auch Elektro- und Hybridautos im Straßenverkehr deutlich zu hören sein müssen. Die Geräusche müssen automatisch ertönen und dürfen vom Fahrer nicht abschaltbar sein.  Die Verkehrsbehörden müssen nun bis Mitte 2012 eine Mindestlautstärke festlegen. Der amerikanische Blindenverband begrüßte bereits die Regelung. Was für eine Entwicklung: In den Achzigern des 20. Jahrhunderts kämpften die Akustiker noch gegen nagelnde Diesel, 30 Jahre später kämpft man nun für und um ein Geräusch!

 

 

Auch den Fahrzeuginsassen kann trotz Elektroantrieb zu altem Verbrennungsmotorgeräuschfeeling verholfen werden. Die Smartphone-App XLR8 (sprich: accelerate) setzt die Beschleunigungsdaten der Smartphonesensoren in knackige Motorgeräusche um, die dann per Bluetooth ans Autoradio übertragen werden. Das Anfahren an der Ampel und innerstädtische Kurvenfahrten lassen sich so zu rasanten Hörerlebnissen überhöhen: Die quietschenden Reifen kommen aus den Boxen. (siehe auch die Liste von Akustik-Apps).

"Schleichender Tod": Lautloser Elektroroller in Yangshuo (Südchina) Elektroroller in  Yangshuo (Südchina)

Die Entscheidung, ob und wie Elektrofahrzeuge mit akustischen Signalgebern ausgestattet werden, mag durchaus auch davon abhängen, auf welchem Weg sich eine Gesellschaft motorisiert hat: In den westlichen Ländern führt der Weg zum Elektroauto ausgehend vom lärmigen Verbrennungsmotor. Da scheint der Trend nachvollziehbar, auch das neue Elektrovehikel mit einem akustischen Signalgeber auszustatten, um nicht als lautlose Gefahr im Strassenverkehr zu gelten. In China hingegen kommen viele Erstbenutzer der Elektroroller vom Fahrrad, der Umstieg erfolgt also von einem lautlosen Fahrzeug zu einem weiteren fast lautlosen Fahrzeug. Entsprechend gering ist die Tendenz, einen akustischen Signalgeber einzusetzen, die Elektroroller bewegen sich nahezu lautlos durch die Straßen. Bei in Peking lebenden Deutschen heissen sie deshalb auch “Schleichender Tod”.

 

 

Schnee auf dem Altkönig (Taunus)Die seltsame Ruhe nach Neuschnee: Bei oder nach Schneefall liegt oft eine tiefe Ruhe über der Landschaft oder selbst in der Stadt. Die Neuschneeauflage auf dem Boden absorbiert den Schall und verringert somit die Lärmimmission. Zwei weitere Faktoren spielen ebenfalls eine große Rolle bei dieser Wahrnehmung von tiefer Ruhe:

  • Nach heftigem Schneefall sind weniger Verkehrsmittel unterwegs, somit wird auch weniger Lärm erzeugt.
  • Der optische Eindruck verändert auch die akustische Wahrnehmung: Die weisse Landschaft lässt den verbliebenen Lärm weniger störend erscheinen.

Die folgende Abbildung verdeutlicht das Zusammenspiel der einzelnen Faktoren der erweiterten akustischen Wirkungskette auf die menschliche Wahrnehmung des Geräusches. Farbig hervorgehoben die Größen, die die akustische Wahrnehmung bei Neuschnee beeinflussen:

Erweitertes Blockschaltbild der Akustik

 

 

Rumpelstreifen / Rumble strips ahead
Rumpelstreifen / Rumble strips ahead
Rumpelstreifen (Mittelstreifen) in einem Nationalpark im Westen Kanadas.
Rumble Strips ahead: Müde Fahrer werden auf den endlosen Straßen in den Weiten Kanadas durch kleine Vertiefung am Mittel- oder Randstreifen akustisch gewarnt, wenn ein Rad über diese Vertiefungen fährt. In den Niederlanden ist dieses einfache System zur Verringerung der Unfallzahlen ebenfalls etabliert.

 

In Deutschland hat sich stattdessen die Variante etabliert, bei der die weisse Farbe der Fahrstreifenbegrenzung punktförmig aufgebracht wird. Die geringe Erhöhung jedes einzelnen Farbpunktes gegenüber dem Fahrbahnniveau regt die Reifen beim Überfahren zu Schwingungen an, die dann per Körperschallbrücken und Übertragung an den Fahrzeuginnenraum den Fahrer akustisch warnen.

Fahrstreifenbegrenzungen: klassisch und aus einer Vielzahl von Farbpunkten Klassische deutsche Fahrstreifenbegrenzung (links) und die neuere Variante, die aus einer Vielzahl von Farbpunkten besteht (rechts).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe auch

 

 

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