Schwerhörigkeit

Musikkonsum und Schwerhörigkeit

Der oft vermutete Zusammenhang zwischen dem Konsum lauter Musik und eintretender Schwerhörigkeit lässt sich statistisch nicht belegen. Frühere Generation hörten nicht besser als die heute iPod-Generation oder die Walkman-Jugend der 80er-Jahre. Der Nachweis individueller Ursachen von Schwerhörigkeit ist umso schwieriger, da die Erinnerung an die Häufigkeit von Lärmexpositionen (wie z.B. Diskothekenbesuchen) nach Jahrzehnten ungenau ist. Weitere Parameter wie die Nähe zu Lautsprechern bleiben zudem oft unberücksichtigt. Einmalige Exposition zu Lärm hoher Amplitude (Explosionen) kann eine signifikantere Schwerhörigkeit bewirken als jahrelanger Musikgenuss von weniger hohen Amplituden. Unstrittig ist aber, dass Schwerhörigkeit mit dem Verlust von Haarsinneszellen zusammenhängt.

Der fehlende statistische Nachweis ficht die EU-Kommission nicht an: Nach ihrer Ansicht soll der Musikkonsum auf 40 h pro Woche begrenzt werden, wenn dies mit einer Lautstärke von 80 dB (A) geschieht. Bei einem Pegel von 89 db (A) wird ein Maximalkonsum von 5 h empfohlen.

Duran Duran: Gehörschutz für Musiker
Sänger der Band Duran Duran mit einem Gehörschutz für Musiker

 

 

Untersuchungen der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) haben ergeben, dass die Musikindustrie in den letzten 20 Jahren den mittleren Pegel der Musik um 10 dB erhöht hat, da dies verkaufsfördernd wirke. Das Risiko von Gehörschäden steige dadurch angeblich. Als Beispiel werden aufbereitete (Remastering) Werke der Dire Straits genannt, deren Stücke auf heutigen CDs 10 dB lauter sind als die identischen Stücke auf CD-Veröffentlichungen aus den 80er Jahren. Die Untersuchung der SUVA enthält aber keinen Hinweis darauf, ob die Benutzer von MP3-Playern oder Stereoanlagen diesem Effekt durch Verringerung der Lautstärke am Lautstärkeregler ihres Gerätes entgegenwirken.

Die EU-Kommission möchte die Lautstärke von MP3-Playern begrenzen (September 2009). Falls der Nutzer diese Laustärke überschreiten möchte, soll er durch das Gerät gewarnt werden. Wie das im einzelnen geschehen soll, erwartet die Kommission durch Vorschläge der Industrie klären zu können.

Beatlemania            Machmallauter: Tour 2009 der Toten Hosen

Manchmal muss es einfach ein wenig lauter sein: Konzert-Marketing (Hamburg, 2009) mit der Lautstärke: Rechts die Machmallauter-Tour 2009 der Band Tote Hosen.

Schwerhörigkeit ist aber nicht die einzige medizinische Indikation für gesundheitliche Lärmschäden: Fluglärm kann das Infarkt- oder Schlaganfallrisiko deutlich erhöhen. Beide Krankheiten bieten weitere Indikatoren zur Ursachenforschung der individuellen Schwerhörigkeit.

 

 

Schwerhörigkeit und Haarsinneszellen

Die Schwerhörigkeit durch den Verlust von Haarsinneszellen ist nicht reversibel: Die Haarsinneszellen wachsen beim Menschen nicht nach, bei Zebrafisch-Larven hingegen sterben sie ebenfalls, neue Zellen wachsen aber nach. Die Klärung dieses Mechanismus ist noch in der Erforschung, die Vision ist, beim Menschen das Absterben dieser Zellen zu verringern, zu vermeiden oder alternativ ebenfalls das Nachwachsen anzuregen.

Haarsinneszellen im Querschnitt des Innenohrs (Cochlea)
Haarsinneszellen im Querschnitt des Innenohrs (Quelle: Bridgeman Art Library, 1918, Public Domain)

MP3s und Datenqualität

Ständiges Hören von MP3s in niedriger Datenqualität von 128 kb/s (Datenrate pro Zeiteinheit) und weniger lässt die Hörer auf die Dauer Musik von niedriger Datenrate bevorzugen und beeinflusst negativ das Vermögen, gezielt Töne zu unterscheiden: Die Hören bevorzugen sogar die niedrigere Datenrate beim Hörvergleich eines Musikstückes mit 2 unterschiedlichen Datenraten. Galt in MP3-Frühzeiten um die Jahrtausendwende anfangs 128 kb/s noch als der CD nahekommende Qualität, bieten heute MP3-Shops Datenraten von 256 und 320 kb/s für Musikdownloads an. Im Zweifelsfall daher die höhere Datenqualität mit der höheren Datenrate wählen!

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