Pegelbewertung

 

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Subjektive Geräuschanalyse und dB(A)-bewertete Pegel

Der Begriff der Lautstärke wurde als Maß für den vom Menschen subjektiv empfundenen Geräuschpegel eingeführt. Die Maßeinheit der Lautstärke ist phon. Die Lautstärke in phon bei einer Frequenz wird als gleich laut empfunden wie ein Schalldruckpegel gleicher Höhe bei 1000 Hz. Beispiel: Bei 1000 Hz entspricht der Schalldruckpegel von 80 dB einer Lautstärke von 80 phon. Dies entspricht bei 30 Hz einem Schalldruck von 100 dB. Zur Umrechnung eines Schalldruckpegels in die Lautstärke benutzt man international im allgemeinen die A-Bewertung eines Schalldruckpegels.

Bewertungskurven für Schalldruckpegel

Bewertungskurven für Schalldruckpegel (nach Kollmann).

Es existieren noch weitere Bewertungskurven (z.B. die B- oder die C-Bewertung), die jedoch international seltener verwendet werden. Die Bewertungskurven und der Begriff der Lautstärke wurden eingeführt, um das subjektive menschliche Geräuschempfinden in die Beurteilung von Geräuschen einfliessen zu lassen. Der A-bewertete Schalldruckpegel dient wie der unbewertete Schalldruckpegel in der Praxis zur Überprüfung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Beide Grössen dienen auch zum Vergleich mehrerer konstruktiver Varianten in Bezug auf ihre akustische Qualität. Die Einführung der Lautstärke in phon oder des A-bewerteten Schalldruckpegels basiert auf dem menschlichen Geräuschempfinden reiner Sinustöne. In der Praxis dominieren jedoch komplexe Geräuschspektren, für die die Lautstärke nur bedingt zum Geräuschvergleich geeignet ist! Beispiel:

dbA-Bewertung_Beispiel

Die Geräuschbeispiele enthalten zwei Sinustöne gleichen Schalldrucks. Bei 250 Hz ist das Ohr deutlich unempfindlicher, der Ton wird als deutlich leiser empfunden als der 1000-Hz-Ton gleicher Frequenz. Erst die  Absenkungung des 1000-Hz-Tones um die A-Bewertung von ca. 8 dB lässt uns beide Töne als ungefähr gleich laut wahrnehmen.

Die Bewertungskurven sollen das über viele Menschen gemittelte Lautstärkeempfinden wiedergeben. Die persönliche Hörkurve des einzelnen mag davon jedoch deutlich abweichen. Weitere Abhängigkeiten sind das Lebensalter oder das aktuelle psychische Befinden oder Vorschädigungen des Hörorgans.

Die persönlichen Hörkurven des Autors (gemessen unter http://www.phys.unsw.edu.au/jw/hearing.html) würden sogar eine Korrektur zwischen 9 dB und 12 dB erfordern, damit obige beide Sinustöne von 250 und 1000 Hz gleich laut wahrgenommen werden:Persönliche Hörkurve; Bewertungspegel

Um der Einschränkung der Geräuschbewertung durch die Sinustöne zu entgehen, wurden im Laufe der Zeit weitere Begriffe wie Rauheit, Schärfe, Lautheit eingeführt, um weitere Geräuschparameter praxisrelevanter Geräusche zu berücksichtigen. Laien benutzen gerne auch weitere qualitativ Parameter wie Knarren, Pfeifen, Knarzen, Knurren, die das emotionale Empfinden wiedergeben, aber keine quantifizierbaren Ergebnisse liefern:

Presseausschnitte zur Akustik

Collage von Presseausschnitten (2005-2006), die emotional das Geräuschempfinden von Autos, Schiffen und Motorrädern beschreiben.

ICE: Rot oder grün gestrichen ICEs rot und grün: Einfluss der Farbe auf die subjektive Geräuschwahrnehmung von Fahrzeugen.

Weitere Untersuchungen beschäftigen sich mit der gekoppelten optischen bzw. haptischen mit der akustischen Wahrnehmung: So hängt die Beurteilung von Staubsaugergeräuschen auch von der Steifigkeit des Schalters ab, der zum Einschalten des Staubsaugers verwendet wird. Andere Untersuchungen befassen sich mit der gekoppelten visuellen und akustischen Wahrnehmung. So wurden Probanden Geräuschen ausgesetzt, die von Bildern begleitet wurden, die rote Autos oder Züge zeigten. Identische Geräusche wurden leiser beurteilt, wenn die Autos/Züge eine grüne Farbe hatten. Wichtige Schlussfolgerung aus diesen Untersuchungen ist, dass während des Vergleiches zweier Geräusche weitere parallele sensorische Wahrnehmungen der zu vergleichenden Produkte unterbleiben sollten, um zuverlässig die akustische Qualität von Varianten vergleichen zu können.

Siehe auch

Das folgende Blockschaubild veranschaulicht das Zusammenwirken aus Psychoakustik und dem physikalischen Schallentstehungspfad:

Erweitertes Blockschaltbild akustische Wirkungkette

 

 

Subjektives Geräuschempfinden objektiv messen

Die statistische Absicherung von subjektivem Geräuschempfinden erfolgt i.A. durch Befragung einer genügend großen Zielgruppe von Testpersonen, denen zwei oder mehr Vergleichsgeräusche vorgegeben werden. Eine britische Versicherung hat zusätzlich zur Methode der Befragung Speichelproben von Versuchspersonen auf ihren Testosterongehalt untersucht, nachdem der Zielgruppe Geräusche verschiedener Sportwagen vorgespielt wurden: Die Frauen sprachen eher auf den Maserati an, während der Testosteronspiegel der männlichen Vergleichsgruppe bei einem Lamborghini anzog. Ein VW Polo führte bei keinem Geschlecht zu einem merklichen Anstieg des Hormonspiegels.

Kinderlärm gilt demnächst per Gesetz nicht mehr als störend: Ein beschlossener Gesetzentwurf soll Nachbarschaftsklagen wegen Kinderlärm (z.B. aus Kindergärten) ausschliessen.

Hitliste der ekligsten Geräusche

Weiterhin beeinflussen unsere soziologischen Merkmale wie Geschlecht, Alter und Kultur, wie angenehm wir Geräusche empfinden. Auf der Internetseite Bad Vibes können Sie über das ekligste Geräusch abstimmen und Ihre Einschätzung mit der Wahrnehmung der anderen Teilnehmer mit ähnlichen soziologischen Merkmalen vergleichen. Galt in den Achzigern noch der Kratzen von Fingernägeln auf einer Schiefertafel als ekligstes Geräusch, führen mittlerweile Furzkissen und ein kotzender Schauspieler die Liste der Misstöne an.

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