Akustisches Gedächtnis
Musikhören im Alltag
  Musikhören im Haushalt
Musikalisches Gedächtnis

Noch nach Jahren erinnern wir uns an Ohrwürmer und an Erlebnisse, in der wir die jeweilige Melodie gehört haben.  Z.B. verbinden Menschen mit ihren vergangenen Beziehungen jeweils bestimmte Songs, die man gemeinsam mit dem Partner gerne gehört haben. Untersuchungen (Jan Hemming, Uni Kassel, 2009) zufolge bleiben Musikstücke insbesondere dann im Hirn haften, wenn wir sie bei alltäglichen Verrichtungen, z.B. im Haushalt, hören.

Geräuschassoziation

Gegenstände des Alltags in unserer Umwelt assoziieren wir ebenfalls mit typischen Geräuschen, die von diesen Dingen oder von Handlungen ausgehen. Es verstört uns, wenn Geräte und Tätigkeiten nicht mehr mit ihren gewohnten Geräuschen verbunden sind. Die betroffenen Hersteller dieser Geräte haben dann mit der Kundenakzeptanz ihrer Geräte und daraus resultierender Kaufzurückhaltung zu leiden. Insbesondere beim Übergang von Verbrennungsmotoren zu Elektromotoren müssen die Hersteller der Fahrzeuge neue Wege gehen:

  • So ist die Stille der Elektro-Motorräder ein Segen für die lärmgeplagten Anwohner, die fehlende Klangsignatur gilt neben der geringen Reichweite als häufigster Grund gegen den Kauf eines Elektrobikes. Erst wenn die Alltagserfahrung uns lehrt, dass ein Motorrad nicht mehr unbedingt mit einem Geräusch verbunden ist, haben die Elektromotorräder eine Chance beim Verbraucher.
    Herstellerfoto: Zero Motorcycles
    Elektrobike: Copyright Zero Motorcylces
  • Die plötzlich fehlende 1:1-Verbindung zwischen Geräusch und Erfahrung kann gefährlich werden, was Toyota mit dem Hybridauto Prius III für ein Serienfahrzeug auf eine neue Art löst: Unter 25 km/h treibt ausschliesslich der fast lautlose Elektroantrieb das Fahrzeug an, was z.B. bei Sehbehinderten zu Irritationen und Unfällen führen könnte. Ein akustischer zuschaltbarer Signalgeber erzeugt ein synthetisches Motorgeräusch, das mit steigender Geschwindigkeit bis auf 55 dB ansteigt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h überragt das Abrollgeräusch der Reifen die anderen akustischen Quellen des Fahrzeuges, dann wird der Signalgeber abgeschaltet. Der Signalgeber ist in Japan als Zubehör ab September 2010 erhältlich. Die Verfügbarkeit in Ländern hängt von der jeweiligen gesetzlichen Situation ab.
    Herstellerfoto: Toyota Prius III
  • Der Trend zu kleinvolumigeren Motoren kurbelt das Geschäft von Sound-Design-Firmen an: Der Soundracer V8 ist ein Zubehörteil, das aus dem Motorgeräusch im Fahrzeuginnenraum die Motordrehzahl interpretiert und über dann über eine freie UKW-Frequenz den passenden Sound (eines V8-Motors) an das Radio liefert. Ein neues Gesetz (Dez. 2010) des amerikanischen Kongresses könnte den Absatz des Soundracers und anderer ähnlicher Produkte beflügeln: Im “Pedestrian Safety Enhancement Act of 2010" regelt der Gesetzgeber, dass auch Elektro- und Hybridautos im Straßenverkehr deutlich zu hören sein müssen. Die Geräusche müssen automatisch ertönen und dürfen vom Fahrer nicht abschaltbar sein.  Die Verkehrsbehörden müssen nun bis Mitte 2012 eine Mindestlautstärke festlegen. Der amerikanische Blindenverband begrüßte bereits die Regelung. Was für eine Entwicklung: In den Achzigern des 20. Jahrhunderts kämpften die Akustiker noch gegen nagelnde Diesel, 30 Jahre später kämpft man nun für ein Geräusch!

 

 

Akustisches Gedächtnis

Der Mensch hat kein Gedächtnis für Schalldrücke oder die subjektiv empfundene Lautstärke. Selbstversuch: Erklingen 2 Geräusche im zeitlichen Abstand von ca. 10 s und einem Unterschied von ca. 3dB, fällt es sehr schwer zu entscheiden, welches Geräusch größer ist. Ausgangsgeräusch:

Referenzgeräusch 1000 Hz

 

 nach Beendigung ca. 10 s Pause, dann Geräusch 2:

Vergleichsgeräusch 1000 Hz

 

Welches Geräusch ist lauter?

Zum Vergleich beide Geräusche ohne Pause zusammengefasst in einer Datei:

Referenz- und Vergleichsgeräusch bei 1000 Hz, 3dB Unterschied

 

Erst ohne Pause “erhört” man, welches der beiden Geräusche (um 3 dB) leiser ist. Im Bereich der maschinenakustischen Optimierung hingegen ist eine erzielte Geräuschreduzierung eines Gerätes von 3 dB schon erheblich. Wenn Vorgesetzte oder Kollegen des Akustikers diese Verbesserung aber nicht wahrnehmen können, leidet die Akzeptanz der Ingenieursleistung. Daher erzielte Verbesserungen immer im Vergleich zum Vergleichsgeräusch präsentieren.

 

 

 

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